Demenzerkrankungen im Pflegealltag der Familien

Nicht selten werden Angehörige von Menschen mit Demenz in Deutschland solange es möglich ist von ihren Partner*innen zu Hause gepflegt. Diese Situation ist nicht nur für die Betroffenen eine Belastung, sondern stellt auch eine Herausforderung für das Alltags- und Familienleben dar. Zumal ein Pflegebedürftiger im eigenen zu Hause Ansprüche an die Freizeit der Pflegenden und auch an den Wohnraum stellt. Nicht jedes Haus und nicht jede Wohnung ist qualifiziert, einen Pflegebedürftigen betreuen zu können. 

Eine aktuelle Untersuchung soll die Problemfelder aufzeigen und auch die Schwierigkeiten, die sich bei häuslicher, nicht fachlicher Pflege ergeben, erörtern. Dazu wurden verschiedene Patienten und Patientinnen und vorrangig deren pflegende Angehörigen in Bezug auf deren räumliche Verhältnisse und private und öffentliche Herausforderungen interviewt. Dabei teilten die Befragten ihre Erfahrungen im Umgang mit ihrem Partner*innen mit Demenz und wie sie damit leben. Dass mit dem Pflegen der eigenen Angehörigen erhebliche Einschränkungen, auch nicht nur in Hinsicht auf körperliche Einschränkungen der Betroffenen, sondern auch für das Leben der Partner*innen einhergehen, ist selbsterklärend. In solchen Situationen stellen die Pflegenden oft keine Ansprüche mehr an ihr eigenes Leben und deren Freizeit oder Urlaub o.Ä., wohingegen die räumlichen Ansprüche immer höher werden. Zur häuslichen Pflege gehören auch regelmäßige Krankenhausaufenthalte oder Arztbesuche, die die Angehörigen oft nicht allein stemmen können, weswegen auch oft Haushaltshilfen oder die Kinder zu Hilfe gezogen werden. Die Pflege so lange wie möglich im eigenen Zuhause hinauszuzögern ist dann meistens eher hinderlich, da oft die technischen Hilfsmittel und auch Zugänge zu ausreichend Unterstützung oder auch ärztlicher Betreuung, nicht in dem Maße möglich sind wie in Pflegeheimen. In der Öffentlichkeit finden die Familien dann oft nicht den Anklang in der Gesellschaft, den sie verdient hätten. Die oftmals vernichtenden Blicke der Außenstehenden, wenn die Menschen mit Demenz sich nicht nach gesellschaftlichen Normen oder gegebenen Tischmanieren halten oder halten können, bspw. bei Parkinsondemenz, regen nicht gerade dazu an, sich oft in der Öffentlichkeit zu bewegen. Die Angehörigen fühlen sich oftmals sehr ohnmächtig und meiden Menschenansammlungen, wobei genau das den Betroffenen guttun würde. Die Gesellschaft sollte also besser sensibilisiert werden im Umgang mit Menschen mit Demenz, wobei die Pflegenden da positiv entgegenwirken können, um das Thema zu enttabuisieren. Die häusliche Pflege darf sich nicht weiter ins Private zurückziehen, so wird die Pflege immer anstrengender für die Angehörigen. 

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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