Die Sache mit der Hilfsbereitschaft

Wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter krank werden, dann bleibt in den meisten Berufsfeldern die Arbeit liegen oder wird von den Anwesenden miterledigt. In der Pflege ist es aber ein großes Problem, wenn eine Pflegefachkraft ausfällt, da die meisten Pflegebetriebe sowieso schon personell unterbesetzt sind. Wenn dann jemand krank wird, muss eine Kollegin oder ein Kollege, der eigentlich eine freie Schicht hätte, einspringen. Und dies kommt in der Praxis oft genug vor. Selbstverständlich möchte man hilfsbereit sein und die Patientinnen und Patienten sind auf die Pflege angewiesen. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Problem, wenn ein*e Pflegende*er zur Arbeit kommt, obwohl sie sich vielleicht nicht gut fühlt, um den anderen nicht zur Last zu fallen und riskiert damit, andere anzustecken. Arbeitgeber stecken bei einem Krankheitsfall oftmals in der Zwickmühle, denn man will ja niemanden vom freien Tag abhalten, auf der anderen Seite ist es dennoch wichtig, dass genug Mitarbeiter*innen da sind. Und in jedem Pflegebetrieb gibt es die Kollegen*innen, die sich bei Arbeitsbeginn euphorisch in die Arbeit gehangen haben und mittlerweile in ihrem Alltagstrott feststecken. Das größte Problem hierbei: nicht nein sagen zu können. Und doch ist dieses kleine Wort so wichtig im Umgang mit Mitmenschen. Oft halten viele dem Druck von außen nicht stand, schließlich springt die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen für krankes Personal ein und jemand, der dann mehrmals auf seine freie Schicht besteht, wird nicht so gern gesehen. Die Menschen, die aber nein sagen und auf ihre Auszeit bestehen, schauen auf ihre eigene Gesundheit und Einsatzfähigkeit, denn schließlich sind alle, die das Pflegewesen stemmen, nur Menschen mit begrenzter körperlicher und mentaler Kapazität. Und ist es nicht viel wichtiger, seine Grenzen anzuerkennen und dafür zu sorgen, dass man einem der anstrengendsten und belastenden Berufe auch sein Leben lang mit Freude nachgehen kann? Das Pflegewesen sollte seine Scheuklappen ablegen und nicht an oft falsche Hilfsbereitschaft und das Helfer-Syndrom der Menschen appellieren, sondern sich andere Lösungen für Krankheitsfälle suchen. Vielleicht können andere Pflegebetriebe personell aushelfen und es wird ein fester Ersatz festgelegt. An erster Stelle muss aber das Augenmerk darauf liegen, den Personalmangel zu kompensieren, damit solche Probleme nicht mehr den Alltag beherrschen. Ich möchte aber an dieser Stelle nicht als naiver Berater, der vor 15 Jahren das letzte Mal in der Pflege gearbeitet hat, erscheinen. Mir ist sehr bewusst, dass die Botschaft aus diesem Artikel, immer schwieriger wird, im Alltag umzusetzen. Trotzdem bleibe ich bei dem Standpunkt, eine faire Regelung im Team zu kommunizieren. Und grundsätzlich so zu planen, dass eine Kompensation möglich ist. Ein Mitarbeiter*in der/die kündigt, ist immer die schlechteste Option. Geschweige denn, welche Kosten durch einen Mitarbeiterwechsel entstehen können.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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