Erlebnisorientierte Pflege im mäeutischen Pflege- und Betreuungsmodell

pflegerin lächelt patientin an

Cora van der Kooijhat das mäeutische Pflege-und Betreuungsmodell entwickelt. Sie selbst sieht es nicht als vollkommen neue Methode, sondern eher als Zusammenfassung und Integration von eigentlich schon Gewusstem.

Wörtlich bedeutet Mäeutik „Hebammenkunst“, im weiteren Wortsinn aber auch Erlösung oder Befreiung. Der griechische Philosoph Sokrates entwickelte die mäeutische Methodedes Fragestellens, da er der Meinung war mit seinen Fragen die innere Quelle der Weisheit zu finden undsichdiesebewusst zu machen. Man kann die mäeutische Art des Fragestellens als Geburtshilfe für diese inneren Weisheiten und das bisher verborgene Wissen verstehen. Jedoch sind die Fragen durchaus gezieltbeabsichtigt in eine bestimmte Richtung lenkend. Es geht also um das Auffinden verborgenen Wissens.

Das Findeneines Zugangs zur Erlebenswelt eines pflegebedürftigen Menschen ist die Grundlage der pflegerischen Arbeit. Allerdings geht die mäeutische Methode etwas weiterals sich „nur“ auf das Verstehen und die empathische Herangehensweise zu fokussieren. Die Pflegekraft muss sich auch ihrer eigenen Gefühle klar sein und wissen, was das Verhalten des Pflegebedürftigen bei ihr auslöst. Besonderswenn die Beziehung zu dem Menschen schon länger andauert, ist eine engere Verbindung entstanden, die allerdings klar von privater Beziehung abgegrenzt werden muss –auch emotional.

Die mäeutische Methodik unterscheidet sich maßgeblich vom altbekannten, problemorientierten Pflegeprozess. Die Pflegenden besprechen in Fallbesprechungen ihre Beobachtungenund stellen ihre Handlungenbzw. Situationen vor, in denen eine positive Wechselwirkung (ein guter Kontakt) hergestellt werden konnte. Wenn nun im Team all diese Informationen zusammenkommen und bewertet werden, entsteht rasch ein aussagekräftiges Bild des betreffenden Menschen. Auch die Pflegenden können ihr Tun hier reflektieren. Es ist wichtig, dass auch die Pflegekräfte unterschiedlich in ihren Reaktionen und Handlungen sein dürfen –sogar sollen. Auch sie sind individuelle Wesen und Charaktere.

Das mäeutischePflegemodell geht von drei Kernbegriffen der Professionalität aus. Kreativität, Kontakt und Kommunikation.

Kreativ sein bedeutet sich in jeder Situation innovative Handlungen oder Reaktionen zu überlegen. Kontakt meint die „gefühlsmäßigeWechselwirkung zwischen zwei Menschen“. Bei der Kommunikation wird der Blick besonders auf den Prozess der Bewusstwerdung, Reflexion und den methodischen Austausch mit den KollegInnen gelenkt.

Pflegende und die ihnen anvertrautenPflegebedürftigensind eben verletzbare Menschen. Ihre Gefühle sind ebenso betroffen. Deshalb ist der Aufbau einer Beziehung ein Prozess zwischen zwei verletzbaren Menschen. Wenn das klar ist, wird auch das mäeutische Pflege-und Betreuungskonzept verständlich und in der Methodik deutlicher.

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Ansprechpartner

Karina Licht-Nilges

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