Verwechslungsgefahr: Dekubitus und IAD

Hautprobleme und Hautkrankheiten sind in der Pflege die meistverbreiteten Wundverursacher. Dekubitus und IAD (Inkontinenz assoziierte Dermatitis) zählen darunter zu den unangenehmsten und auch zu denen, die schwierig auseinanderzuhalten sind. Hautschädigungen am Gesäß werden meistens der Einfachheit oder Unwissenheit halber einem Dekubitus zugeordnet, was der Behandlung und Heilung in schlimmen und falsch diagnostizierten Fällen entgegenwirkt.

Besonders ältere Menschen sind betroffen, die ambulant gepflegt werden müssen. Die Hautschädigungen werden nämlich in Folge von Schweiß, Wundexsudat und in den meisten Fällen von Inkontinenz hervorgerufen. Solche Wunden, hervorgerufen durch Feuchtigkeit und Reibung, müssen gut behandelt werden, da sonst in Folge einer IAD ein schwerer Dekubitus entstehen kann. Denn je höher das Risiko für eine IAD ist, desto höher ist das Risiko für ein Druckgeschwür. Bei Patienten und Patientinnen mit Wunden durch Feuchtigkeit, die gleichzeitig immobil sind, muss eine Dekubitusprävention durchgeführt werden. Inkontinente Patienten und Patientinnen mit dieser Verletzung, haben eine großflächige irritative Kontaktdermatitis im Bereich des Gesäßes, welche bei Frauen bis zur Vulva und bei Männern bis zum Skrotum reichen kann. Üblicherweise sind dann die Schamlippen und die Innenseiten der Oberschenkel oder das Skrotum selbst betroffen. Hinzu kommt in einigen Fällen eine Pilzinfektion, die bei entzündeten, erwärmten Wunden den perfekten Nährboden findet. Grundsätzlich ist bei Stuhlinkontinenz eine höhere Wundreaktion als bei Urininkontinenz zu erwarten, da beim Stuhl der Ammoniakgehalt größer ist und es damit aggressiver wirkt als Urin. Falls es zusätzlich zu einer Mykose kommen sollte, wird dringend geraten einen Dermatologen zu Rate zu ziehen. Da rund 60% aller IAD-Fälle fälschlicherweise für ein Druckgeschwür gehalten werden, muss hier gründlicher aufgeklärt werden. Da noch wissenschaftlicher Forschungsbedarf besteht und die Pflegefachkräfte auf Erfahrung setzen müssen, wäre es hilfreich, Seminare oder Besprechungen anzubieten oder solche Themen in regelmäßige Besprechungen miteinzubinden. Wesentliche Unterschiede sind, dass Dekubiti meistens an Knochenvorsprüngen entstehen durch langzeitige Druckeinwirkung, IAD-Wunden in Hautfalten oder auch am Steißbein durch Feuchtigkeit und Reibung. Dekubiti sind schlecht durchblutet und dringen in tief gelegene Hautschichten ein, im Gegensatz dazu entzünden sich IAD, was zu erhöhter Durchblutung und oberflächlicheren Verletzungen führt. Wenn man sich diese Unterschiede bewusst macht, kann man die Wunden besser versorgen. Eine IAD entsteht durch direkte Reibung auf der Haut. Durch die Feuchtigkeit wird die Haut wund und der pH-Wert wird gestört, da Urin einen höheren pH-Wert hat als die Haut, was die natürliche Schutzschicht der Haut angreift und anfällig macht für Bakterien. Pflegeprodukte, die die Feuchtigkeit an der verletzten Stelle halten, sind also pflegehemmend, genauso wie häufiges Waschen mit Reibung durch Waschlappen. Zusätzliche Risikofaktoren sind schlechte Mobilität, erhöhte Körpertemperatur, schlechter Ernährungszustand und auch bestimmte Arzneimittel, wie Antibiotika oder Chemotherapeutika.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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