Keine kostenfreien Leistungen!

In Deutschland werden rund 80% der Pflegebedürftigen häuslich betreut, was oft die Angehörigen übernehmen, entweder weil sie sich keinen Pflegedienst leisten können oder für ihre Familie da sein wollen. In den Fällen, in denen die Angehörigen nicht oder nur teilweise für die Betreuung aufkommen können, kümmern sich dann Pflegedienste um die pflegerische Versorgung. Das dafür vorgesehene Budget reicht hier meistens nicht aus. Etwaige Zusatzleistungen, wie Einkaufen gehen, Medikamente besorgen etc. machen die Pflegenden aber ohne entsprechende Vergütung. Jahrelang wurden diese Zusatzleistungen freiwillig übernommen, aber steigende Kosten und erschwerte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt qualifizierte Betreuungskräfte zu finden erfordern eine Kostenerhebung für die außerhalb des Dienstes erbrachten Leistungen. Dies ist vergleichbar mit den Abrechnungen medizinischer Leistungen, die ebenfalls hohe Honorare auf minimale Leistungen ansetzen, gerade bei Privatversicherten, die nicht über die Kostenträger in Rechnung gestellt werden. Der Weg über die Kostenträger der Pflegeeinrichtungen fehlt bei diesen Zusatzleistungen weg, da hier direkt mit dem Patienten abgerechnet wird.

Dabei geht es um Dauerleistungen, wie Haustiere füttern oder sich um die Blumen/Garten kümmern und nicht um Leistungen, die sich zufällig einmalig ergeben. Diese Leistungen sollten die Pflegebetriebe in Pauschalbeträgen anbieten, Pakete in denen verschiedene Leistungen zusammengefasst werden, z.B. Rezepte einzulösen oder Verordnungen bei den Ärzten abholen, damit die Angehörigen nicht unterschätzen, wie hoch die Kosten sind, die auf sie zukommen und diese frei einteilen können. Ohne die Berechnung aller gebrachten Dienste müssten die Pflegefachkräfte mit geringeren Löhnen rechnen, da hier am meisten eingespart werden könnte, wenn die Kosten nicht mehr gedeckt werden können. Warum also nicht alles, was man auch leistet, in Rechnung stellen, auch bei Privatversicherten, die einen hohen Eigenanteil bei den Rechnungen zu leisten haben? Dass die älteren Pflegebedürftigen meistens dann auch weniger Vermögen haben, wie man allgemein annimmt, ist oftmals unbegründet. Nur weil die Menschen pflegebedürftig sind, heißt das nicht immer, dass sie das nicht zahlen können. Es gibt jedoch viele Pflegebedürftige, die keinen Anspruch beim Sozialamt erheben, weil sie sich vielleicht auch schämen und für die dann die Pflege finanziell eine Belastung wird. Die Pflegekräfte verbessern mit diesen Zusatzleistungen also die Lebensqualität der Pflegebedürftigen, da nur die Grundversorgung durch die Kassen abgedeckt ist, das Leben aber mehr wert sein sollte als das. In vielen Fällen sind dann die Pflege- und Betreuungskräfte die einzigen Ansprechpartner und diejenigen, die gerade alte Patienten nicht vereinsamen lassen, wenn die Angehörigen nicht zur Stelle sein können.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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