Pflegefachkräfte werden immer älter
– Ursachen und Lösungsansätze

Der große Pflegenotstand in Deutschland ist eine der größten Herausforderungen unserer Generation. Die Nachfrage nach examinierten Pflegefachkräften steigt stetig, wohingegen das Angebot von Jahr zu Jahr sinkt, was dazu führt, dass die Versorgungslücke immer größer wird. Auch die Zahl der älteren Beschäftigten in der Pflege steigt immer weiter. Rund 50% der Pflegefachkräfte sind mittlerweile zwischen 40 und 60 Jahren alt.

Das liegt vor allem am demografischen Wandel, den die deutsche Gesellschaft seit Jahren bemerken muss. Die Deutschen leben immer länger, was impliziert, dass die, die es können, länger arbeiten müssen, aber auch, dass vermehrt Pflege in Anspruch genommen werden muss. Für die Pflegefachkräfte, die noch arbeiten können oder müssen, herrschen schlechte Arbeitsbedingungen. Der Schichtbetrieb in Pflegebetrieben wird immer anstrengender, psychisch und körperlich zehrt die Arbeit mit den Patienten, der Stress im Arbeitsalltag ist hoch. Zudem kommt noch die nicht angemessene Entlohnung der Beschäftigten hinzu, was den Beruf für jüngere Generationen nicht ansprechend gestaltet und damit negativ beeinflusst, da die älteren Kollegen oder Kolleginnen nicht abgelöst werden können. Die häusliche Pflege wird zusätzlich belastet, da viele Angehörige die Pflege aufgrund der hohen psychischen und körperlichen Belastung, oftmals neben einer anderen hauptberuflichen Beschäftigung, einstellen. Die Bereitschaft, ausgebildete Pflegefachkräfte einzustellen ist also da, das einzige Hindernis hierbei ist wieder der große Notstand und die hohe Belastung für ältere Pflegefachkräfte.

Lösungen gibt es in darin, Umschulungen zu ermöglichen, um die Beschäftigungschancen zu verbessern für bereits ausgebildete Pflegefachkräfte. Man kann auch als Betreiber von Pflegebetrieben vermehrt Vollzeit- anstatt Teilzeitstellen anbieten und damit die Work-Life-Balance verbessern, was zu höherer Erwerbsbeteiligung führt. Zusätzlich sind Investitionen in Weiter- und Fortbildungen, gerade auch für ältere Beschäftigte, die schon sehr viel Berufserfahrung mitbringen, sehr rentabel. Gerade diese Pflegefachkräfte sind eine sehr große Bereicherung für die Pflegeeinrichtungen und unbedingt wertzuschätzen. Bei Fallbesprechungen oder bei der Entwicklung von Expertenstandards zu unterschiedlichsten Themen, sind sie kompetente Ansprechpartner, da sie durch die lange Arbeitszeit schon viele Kompetenzbereiche und Erfahrungswerte entwickelt haben und viel einfließen lassen können. Investitionen in junge Pflegefachkräfte, die so motivierter für den Pflegebetrieb arbeiten, sind auf lange Sicht eine Überlegung wert. Abschließend ist es, v.a. in Hinsicht auf die Zukunft eine Empfehlung, in technologischen Fortschritt zu investieren. Durch den Einsatz von digitalen Angeboten, wird den Pflegefachkräften der Arbeitsalltag körperlich und auch organisatorisch sehr erleichtert. Wichtig ist zu bedenken, dass nicht jede ältere Pflegefachkraft die Arbeit in der Pflege nicht mehr stemmen kann. Für viele ist die Pflege eine Lebensaufgabe, die sie solange sie können, leben wollen und große Freude dabei empfinden. Um dies wertzuschätzen, ist es wichtig, individuell auf die körperlichen und mentalen Gegebenheiten der älteren Beschäftigten einzugehen, evtl. Touren so planen, dass alle Patienten ohne übermäßige Anstrengung versorgt werden können oder in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen Arbeitszeiten oder Tätigkeiten individuell anzupassen. Schlussendlich soll der Beruf allen Beteiligten vorrangig Freude bereiten und zu hoher beruflicher Zufriedenheit führen.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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