Pflege aus dem Ausland – Laster oder Fortschritt?

Was wäre die Welt langweilig ohne die verschiedenen Kulturen, die -in den meisten Fällen friedlichzusammenleben? Chinesisches Essen in Europa, deutsche SUVs in China, ein stetiges Geben und Nehmen. So auch in der deutschen Pflegegesellschaft. Sie gibt ausländischen Menschen Arbeit, ein sicheres Heim, eine gesicherte Unterkunft und wird ungemein entlastet in der Betreuung der Patienten.

Die aktuelle Notstandslage in der deutschen Pflege erzwingt Hilfe von außen. Ohne jene könnten die ohnehin schon überlasteten Pfleger*innen den Sturm an bedürftigen Patienten nicht meistern. Statistisch gesehen kommt jede achte Pflegekraft aus dem Ausland. Diese Tatsache ist in jedem Fall positiv zu betrachten, wenn auch die Meinungen hier auseinander gehen. Dass dringend benötigte Arbeitsplätze von Mitmenschen ohne deutschen Pass besetzt werden, ist eine weit hergeholte Argumentation. Sonst würde der Fachkräftemangel nicht existieren, wobei die deutsche Regierung seit dem Parteienwechsel mehr dahintersteht, Verbesserungen für die Zukunft zu erwirken.

Zwischenmenschlich kann jeder Beteiligte dazulernen, ob deutsche oder ausländische Pflegekraft oder die betreute Person. Selbstverständlich kann der Kontakt zwischen ausländischer Pflegekraft und den oft auch dementiell erkrankten Menschen eine Herausforderung sein, aber oft eine überwindbare, aber manchmal dennoch ungewohnte Situation. Auch ist es für die Betreuer herausfordernd, die Heimat und Familie, die oft starke Bande aufweist, zu verlassen, um jene mit
Geld aus dem Ausland versorgen zu können. Hier prallen zwei unterschiedlichste Kulturen und Lebensansprüche aufeinander: zum einen die deutsche Mentalität, von älteren Patienten sehr feinfühlig wahrgenommen, die sie ihr ganzes Leben lang gelebt haben, auf der anderen Seite oft eine andere Lebensweise. Die oft vorhandene sprachliche Barriere kann mit Unterstützung, beispielsweise durch Sprachkurse, überwunden werden. Hier heißt es, konstruktiv zu reagieren und die Wünsche der Patienten und Familien in der häuslichen Betreuung zu respektieren. Unterstützend kann man den ausländischen Pfleger*innen Schulungen anbieten, um eventuell bestehende kulturelle Lücken zu schließen.

Diese häusliche Pflege, die ohne ausländische Hilfe im vorhandenen Umfang nicht möglich wäre, besticht durch ihre Einfachheit, wie die Pflegelaien an die Betreuung herangehen. Durch unterstützende Schulungen könnte diese oft kritisierte laienhafte Pflege erheblich verbessert werden. Die private Betreuung wird im Vergleich, mit professioneller Betreuung selten zu vergleichen sein. Darum geht es auch gar nicht. Somit wäre ein Ko-Existenz, wie sie bereits oft gelebt wird, das höchste erstrebenswerte Ziel, damit das starke Gefälle zu jahrelang ausgebildeten inländischen Pflegefachkräften nicht mehr so ausgeprägt ist.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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