Stressoren der professionellen Pflege

Die Pflegelandschaft in Deutschland verändert sich seit Jahren immer mehr. Der demografische Wandel trägt seinen Teil dazu bei, dass in unserem Land vermehrt ältere Menschen leben, die von weniger jungen Menschen betreut und gepflegt werden müssen. Das führt im schlimmsten Fall zu Personalmangel und Überbelastung bei Pflegefachkräften, die dadurch immer gestresster werden und schlussendlich wirkt sich dieser Umstand negativ auf deren Alltag und Freizeit aus. Wenn man aber die Stressoren kennt und dagegenwirken kann, stellen diese auf einmal gar kein so großes Problem dar.

Aufgrund sämtlicher Studien aus unterschiedlichsten Ländern konnten jene Stressoren gut herausgefiltert werden. Zunächst handelt es sich um soziale Stressoren, solche wie Burnout, der Umgang mit traumatischem Stress oder der Behandlung chronisch kranker Kinder, sind dabei besonders ins Auge gefallen. Je distanzierter man mit diesen Umweltfaktoren umgehen kann, desto geringer ist die Wahrnehmung derer als Stressor für die eigene Psyche. Wer also bspw. über Schulungen o. Ä. gezielt auf diese Belastungen vorbereitet wird und mit evtl. psychotherapeutischer Unterstützung im Arbeitsalltag unterstützt wird, hat seltener unter Belastungsstörungen zu leiden.

Was sich sozial ebenfalls als Stressor herausgestellt hat, ist ein nicht funktionierendes Team, also Kolleg*innen, die untereinander Streitigkeiten haben. Auch emotionaler Stress führt zu erhöhter Belastung, etwa die Unsicherheit im Umgang mit speziellen Patient*innen und deren Bedürfnissen, geringe Unterstützung vom Team, mangelnde emotionale Vorbereitung auf Patient*innen und deren Angehörige und emotionale Belastung durch Tod und Sterben. Zudem belastet die Schichtarbeit, zu niedrige Löhne, keine Aufstiegsmöglichkeiten und mangelnde Leistungen der Arbeitgeber die professionellen Pflegefachkräfte erheblich. Nicht zu vernachlässigen sind Patienten und Patientinnen als Stressoren, da jene, oftmals auch im Zusammenhang mit körperlicher oder verbaler Gewaltanwendung und Problemen im Umgang, eine hohe psychische Belastung und oftmals Überforderung für die Pflegefachkräfte darstellen.

Präventiv wäre es für jede Pflegeeinrichtung sinnvoll, unbedingt mehr Schulungen und Seminare für ihre Mitarbeiter anzubieten, um auf jene Stressoren besser vorzubereiten. Denn wenn die Angst vor einer eventuellen Belastung sinkt, dann verringert sich die Überforderung als solche mit. Für die Mitarbeiter sollte ebenfalls im Rahmen einer psychotherapeutischen Betreuung eine individuelle Stressbewältigungsmaßnahme erarbeitet werden. Auch vermehrte soziale Unterstützung innerhalb des Teams, auch gerne von der Pflegedienstleitung initiiert und der bewusste Umgang mit Spiritualität, hier verstanden als bewussteres leben und leben lassen, sowie die Frage nach dem Sinn und Ziel im Leben zeigen eine höhere Zufriedenheit und einen besseren Umgang mit Belastungen.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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