Wie wirksam der professionelle Umgang mit dem
Placeboeffekt ist

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten wird der Placeboeffekt auf physiologische und neurobiologische Wirksamkeit untersucht. Unter dem Placeboeffekt werden psychologische oder physiologische Verbesserungen nach Einnahme eines wirkstofffreien Medikamentes oder eines Scheineingriffes verstanden. Dazu zählen der weitere Verlauf einer Erkrankung oder auch die sog. Placebo Antwort, was jegliche Symptomveränderungen aufgrund der Erwartungshaltung der Patient*innen, derer Lernprozesse oder der Behandler-Patient-Kommunikation hervorruft. Die wissenschaftliche Forschung zum Thema „Placebo Antwort“ hat bereits bewiesen, dass diesem Prozess komplexe neurobiologische und psychologische Vorgänge unterliegen.

Zahlreiche Beispiele aus der Pflegepraxis zeigen, dass der Einsatz von Placebo Medikamenten, v.a. bei einer Schmerztherapie sehr hilfreich ist. Hier sind die Ergebnisse nämlich so gut, dass neuen Medikamenten oder Therapieverfahren gegenüber Placebo keine Wirksamkeit mehr nachgewiesen werden kann. Der Placebo Antwort liegen zwei wichtige Mechanismen auf Seiten der Patient*innen zugrunde: die Erwartungshaltung und Lernprozesse. Das bedeutet, wie die Patient*innen der Wirksamkeit der verabreichten Substanzen gegenüberstehen, wie der behandelnde Arzt oder die Ärztin kommuniziert, gab es Behandlungserfolge oder -misserfolge bei Mitpatient*innen oder sozialen Kontakten und vorherige Behandlungen. Bei einer Placebo Analgesie, also der Schmerzlinderung durch Placebo-Medikamente, hatten besonders verbale Instruktionen des Arztes oder der Ärztin, sowie die Art, wie die Substanz verabreicht wird, also ob als Injektion oder Tablette und auch deren Form und Farbe, einen Einfluss auf den Erfolg der Behandlung. Auch bereits vorherige positive Erfahrungen der Patient*innen mit Homöopathie und ein intensives Behandler-PatientVerhältnis können dem Erfolg der Behandlung zugutekommen.

Da Placebo Behandlungen eine sehr hohe Erfolgsrate haben, sollten sie klinisch vermehrt eingesetzt werden. Vorteile dabei wären, auf chemische Substanzen mit unbekannten und verheerenden Nebenwirkungen für die Patient*innen verzichten zu können und auf der anderen Seite Geld zu sparen für Medikamente, die nicht in jedem Fall benötigt werden. Auf der anderen Seite gibt es ein großes juristisches und ethisches Problem bei dieser Therapiemethode, da den Patient*innen unwissentlich ein Mittel ohne Wirkstoff verabreicht wird, wohingegen die Patient*innen meinen, sie werden mit pharmakologischen Substanzen behandelt.

Der Einsatz von Placebo-Medikamenten ist also trotz bereits jahrelanger Forschung immer noch in vielerlei Hinsicht ein Tabuthema, bei dem viele Menschen noch sensibilisiert werden sollten.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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