Was Hungerstreik mit dem Körper macht

Ende September 2021 war in Deutschland Bundestagswahl, in deren Vorgang sich die drei Kanzlerkandidat*innen einen Kampf um das Kanzleramt lieferten. Aber nicht nur Annalena Bärbock, Armin Laschet und Olaf Scholz kämpften für ihre Ziele, sondern auch einige Klimaaktivist*innen. Insgesamt sieben junge Frauen und Männer sagten den Kandidaten einen unbefristeten Hungerstreik an, wenn sie sich zugunsten des Klimas nicht auf ein Gespräch und im Zuge dessen auf einen neuen Gesetzesvorschlag zum Klimaschutz einließen. Drei Frauen hatten dieses Experiment bereits frühzeitig beendet, drei andere junge Menschen hielten ganze 24 Tage durch. Der letzte der sieben bestand bis zum Schluss darauf, nichts zu essen und musste währenddessen zweimal im Krankenhaus behandelt werden.

Was macht so ein Hungerstreik aber eigentlich mit dem Körper und wie gesundheitsgefährdend ist so eine Protestaktion? Wer seinem Körper langfristig
Nahrung verweigert, zwingt diesen dazu auf den sog. Hungerstoffwechsel runterzufahren. Das bedeutet eine Umstellung des gesamten Stoffwechselhaushaltes,
was fatale Folgen für alle betroffenen Organe und Körperstrukturen hat. Der Grundumsatz sinkt, alle Stoffwechselprozesse verlangsamen sich und der Körper stellt schlussendlich auf den katabolen Stoffwechsel um, also baut er körpereigene Substanzen ab, um Energie für lebenswichtige Organe, wie Herz oder Gehirn zu gewinnen. Dazu werden zunächst die Reserven, wie Glykogen in der Leber abgebaut, danach Unterhaut- und Depotfett, bis körpereigene Proteine in der Skelettmuskulatur bspw. abgebaut werden, woran der Körper Muskeln verliert. Aber nicht nur, dass alle Reserven restlos aufgebraucht werden, die Stoffwechselumstellung sorgt dafür, dass das Herz langsamer schlägt und der Blutdruck sinkt, dies kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Die Hungerstreikenden frieren durch den Verlust des Unterbauchfettes, durch Eiweißmangel kommt es zu Wassereinlagerungen. Alles in allem werden alle Körperfunktionen geschädigt und in ihrer Funktion erheblich gestört. Hungern wird dann lebensgefährlich, wenn man gleichzeitig mit der fehlenden Nahrungsaufnahme keine Flüssigkeiten zu sich nimmt. Bei ausreichendem Trinken kann man 30 bis 60 Tage ohne feste Nahrung überleben. Der Hungertod tritt dann ein, wenn der Körper zu wenig Eiweiß zur Verfügung hat, da dann das Herz-Kreislauf-System nicht mehr funktioniert. Über einen Zeitraum von 24 Tagen, wie bei dem oben genannten Beispiel sind durch kontrollierte Nahrungsaufnahme die meisten der gestörten Funktionen reversibel, bei längerem Verzicht auf feste Nahrung können irreparable Schäden entstehen, wie Muskelschwund, Osteoporose und Vitaminmangelzustände.

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Ansprechpartner

Reiner Henrich

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